
Unsere Geschichte oder wie
"im Raum nebenan" entstand
Manchmal langt nur ein Klingeln an der Haustür und deine Welt ist eine andere.
Manchmal entstehen aber die wichtigsten Dinge im Leben aus einem tiefen Schmerz heraus.
Wir, Anja und Sabine, sind zwei verwaiste Mütter.
Zwei Frauen, die das schlimmste erleben mussten, was Eltern widerfahren kann.
Meine (Anja) Tochter Selina starb im Februar 2019 im Alter von 22 Jahren an einem Behandlungsfehler.
Mein (Sabine) Sohn Fabi nahm sich in der Silvesternacht 2019/20 im Alter von 25 Jahren das Leben.
Jede von uns ging ihren eigenen Weg durch die Trauer.
Wege voller Tränen, Fragen, Hoffnungslosigkeit und Sehnsucht.
Wege, auf denen wir nach Halt suchten, nach Menschen die verstehen, ohne viel Worte zu brauchen.
Wir besuchten Vorträge, Selbsthilfegruppen und Gedenkveranstaltungen.
Wir probierten vieles aus, immer mit dem Wunsch irgendwie weiter leben zu lernen, ohne unsere Kinder jemals loszulassen.
Dann führte uns das Jahr 2024 im November zusammen.
In der Trauergruppe "Leben ohne Dich" begegneten wir uns zum Ersten Mal.
Aus einer Begegnung wurden Gespräche. Aus Gesprächen entstand Vertrauen und aus Vertrauen wuchs eine gemeinsame Idee.
Eine Idee, die direkt aus dem Herzen kam.
Wir wollten einen Ort schaffen für Eltern, Geschwister und Familien die ebenfalls einen geliebten Menschen verloren haben.
Einen Ort, an dem niemand erklären muss, warum die Augen plötzlich voller Tränen sind.
Einen Ort, an dem Erinnerungen ihren Platz haben dürfen.
Einen Ort an dem Schmerz, Liebe und Hoffnung nebeneinander sitzen dürfen.
Die Suche begann....
Nach einem Raum....
Nach Möglichkeiten.....
Nach Menschen, die an uns glaubten.
Und dann fanden wir ihn.
Unseren Raum.
In der alten Lateinschule in Grünstadt.
Ein Raum, der für viele Menschen inzwischen weit mehr geworden ist, als 4 Wände und ein Dach.
Ein Raum, in dem Kerzen brennen und Namen ausgesprochen werden dürfen.
Ein Raum, in dem gelacht und geweint wird.
Ein Raum in dem Erinnerungen bleiben dürfen.
So entstand "im Raum nebenan"
Der Name ist kein Zufall.
Denn unsere Kinder sind nicht wirklich fort. Sie sind nur im Raum nebenan.
Unsichtbar für unsere Augen, aber für immer sichtbar in unseren Herzen.
Bei jedem Treffen entzünden wir Kerzen.
Kleine Lichter gegen die Dunkelheit
Jede Flamme erzählt eine Geschichte.
Von Liebe, die niemals endet.
Von Kindern, Geschwistern und geliebten Menschen, die für immer ein Teil unseres Lebens bleiben.
Heute blicken wir voller Dankbarkeit auf diesen Weg zurück.
Dankbar für jede Begegnung.
Dankbar für jedes offene Herz.
Dankbar für jeden Menschen, der den Mut findet, durch unsere Tür zu gehen.
Dankbar für die vielen Umarmungen, die stillen Gespräche und die Momente in denen man spürt: Ich bin nicht allein.
Aus unserem eigen Verlust ist etwas gewachsen, dass Hoffnung schenkt.
Nicht, weil der Schmerz kleiner geworden ist. Sondern weil wir gelernt haben, ihn gemeinsam zu tragen.
Und so brennt bei jedem Treffen eine Kerze für unsere Kinder.
Für Selina, für Fabi und für all die Menschen, die wir so sehr vermissen.
Ein Licht der Erinnerung.
Ein Licht der Liebe.
Ein Licht der Dankbarkeit
Und solange diese Kerzen brennen, solange ihre Namen ausgesprochen und ihre Geschichten erzählt werden, sind sie bei uns.
Nicht weit weg.
Nur im Raum nebenan.